Rheinland-Pfalz & SaarlandWelse und Wehre gefährden Lachse im Rhein

Die internationalen Programme laufen seit Jahren. Sonst sähe es schlecht aus für das Überleben der Wanderfische.
Mainz (dpa/lrs) - In ausgewählten Flüssen von Rheinland-Pfalz werden jährlich teils über 200.000 kleine Lachse ausgewildert, um den Fischbestand zu erhalten. Trotz umfangreicher Programme zur Wiederansiedlung und Vermehrung des Wanderfischs ist die Fischart nach Angaben von Umweltministerin Christine Schneider (CDU) aber weiterhin auf breite Unterstützung angewiesen. Die oberen Fischereibehörden SGD Nord und Süd investierten zuletzt jährlich etwa 240.000 Euro in den Erhalt des Lachsbestands in Rheinland-Pfalz.
Der Lachs ist eine diadrome Wanderfischart. Das bedeutet, die Fische wechseln im Laufe ihres Lebens zwischen Süßwasser in Flüssen sowie Bächen und Salzwasser, um sich fortzupflanzen oder Nahrung zu suchen. Auf dem Weg ins Meer und auf der Rückkehr zu ihren Laichplätzen lauern vielfältige Gefahren auf die Tiere während ihrer Wanderung:
Schiffsverkehr, Wasserqualität und Vögel
Schlechte Gewässerqualität wegen kommunaler, industrieller und landwirtschaftlicher Einleitungen in die Flüsse, Wanderbarrieren wie Wasserkraftanlegen sowie Verletzungen durch den Schiffsverkehr gehören zu den größten Risiken. Dazu kommen nach Angaben des Umweltministeriums und von Naturschutzverbänden Fisch fressende Vögel und Raubfische wie der Wels.
Es gebe zu viele Wanderhindernisse für die Lachse, sagte Heinz Schlapkohl, Gewässerexperte und langjähriger Vize-Vorsitzender des BUND Rheinland-Pfalz. Schleuse, Staustufen, Turbinen und Wasserwerke seien dafür verantwortlich, dass deutlich weniger Lachse zurückkehrten als für die Wiederansiedlung in den Flüssen in Rheinland-Pfalz ausgewildert worden seien.
Wels als wachsender Feind
Ähnlich beurteilt Lachsexperte Jörg Schneider vom Büro für fisch- und gewässerökologische Studien die Lage des Lachses: Neben dem Gänsesäger aus der Familie der Entenvogel ist nach einer Studie für die Internationale Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR) zur Lachspopulation gerade auch der erhebliche Bestandszuwachs des Welses eine große Gefahr für die Wanderfische.
In dem Fachbericht, den er federführend im Auftrag der IKSR erstellt hat, berichtet Schneider von eindeutigen Bissspuren von Welsen der Lachsrückkehrer sowie nicht näher bestimmbare Verletzungen wie Abschürfungen, die sich die Wanderfische vermutlich bei Fluchtversuchen vor den großen Welsen zugezogen hatten. Beobachtet worden sei, dass mit der Erwärmung des Rheins nicht nur mehr, sondern auch deutlich größere Welse im Wasser Jagd auf die Lachse machten.
Lachsbestand global potenziell gefährdet
Der Landesfischereiverband verweist auf Angaben der Weltnaturschutzunion (IUCN), nach denen die globale Lachsbiomasse zwischen 2006 und 2020 um etwa 23 Prozent eingebrochen ist. Deshalb sei der Atlantische Lachs Ende 2023 auch auf der Roten Liste von "nicht gefährdet" auf "potenziell gefährdet" heraufgestuft worden.
"Im Rheineinzugsgebiet kämpfen wir gegenwärtig nicht mit einer Ausbreitung, sondern mit einem dramatischen Ringen um das Überleben der Art auf minimalem Bestandsniveau", berichtete Frank Steinmann vom Landesfischereiverband. Es gebe in Rheinland-Pfalz sowie im gesamten Rheinsystem bis heute keinen einzigen stabilen, größeren oder gar sich selbst tragenden Lachsbestand.
Internationale Programme
Um das Aussterben des Atlantischen Lachses aus dem Rhein und seinen rheinland-pfälzischen Zuflüssen zu verhindern, waren die internationalen Programme "Lachs 2000" und "Lachs 2020" ins Leben gerufen worden. Neben dem Wiederherstellen der Durchgängigkeit der Gewässer sowie einer Verbesserung und Wiederherstellung geeigneter Laich- und Lebensräume für den Aufwuchs der Fische gehört die umfangreiche Auswilderung zu den Schwerpunktmaßnahmen.
Das Land Rheinland-Pfalz habe dazu eine Raumkulisse für den Lachs entworfen, in der die Gewässer zum Laichen und für den Aufwuchs sowie die Wanderrouten abgebildet würden, erklärte Umweltministerin Schneider auf eine parlamentarische Anfrage der AfD-Landtagsfraktion. Innerhalb dieser Raumkulisse werden ausgewählte Abschnitte in den Flüssen Ahr, Nette, Sieg, Saynbach, Elz, Nahe, Speyerbach und Wieslauter mit Junglachsen besetzt.
Niedrigwasser belastet Kontrolle für aktuellen Bestand
Ausgewildert werden laut Umweltministerium in der Regel Sömmerlinge: Das sind Lachse im ersten Lebensjahr. Als Parrs werden die jungen Atlantischen Lachse bezeichnet, die nach dem Schlüpfen ihre ersten ein bis drei Jahre in kühlen, sauerstoffreichen Bächen und damit dem Süßwasser verbringen. Smolts werden junge Lachse in dem entscheidenden Lebensstadium genannt, in dem sie sich vom Süßwasserbewohner an das Leben im Salzwasser anpassen und den Weg ins Meer antreten.
Nach Einschätzung der Landesregierung wurde das drohende Aussterben des Lachses durch die Programme verhindert. Wegen der extremen Niedrigwasserphase im Sommer sei zuletzt das geplante Kontrollfischen verschoben worden, da das zu einer zusätzlichen Belastung für die Lachse geführt hätte, berichte Umweltministerin Schneider. Voraussichtlich im Frühjahr nächsten Jahres soll die Maßnahme zur Ermittlung des aktuellen Fischbestands nachgeholt werden.