SachsenRobotik und mehr Flexibilität sollen VW-Werk Zwickau retten

Sachsen will zeigen, dass Industrie in Deutschland auch im verschärften internationalen Wettbewerb erfolgreich sein kann. Als Modell soll der VW-Standort in Zwickau dienen - unter einem neuen Namen.
Dresden/Zwickau (dpa/sn) - Sachsen will dem drohenden Aus des VW-Werks in Zwickau nicht tatenlos zusehen und bringt einen Vorschlag zur Rettung des Unternehmens ein. Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sieht die Chance in der Gründung einer AutoUnion Sachsen GmbH mit Volkswagen als Gesellschafter und weiteren Partnern.
Die Idee: Das neue Unternehmen soll das Werk in Zwickau-Mosel übernehmen und dort Autos zu international wettbewerbsfähigen Kosten produzieren. Eine Beteiligung Sachsens schloss Kretschmer aus. Ihm schwebt ein neues Arbeitszeitmodell mit eigenverantwortlichen Teams und flachen Hierarchien vor. Die Beschäftigten sollen am Erfolg des Unternehmens beteiligt werden, ein "innovativer Tarifvertrag" internationale Wettbewerbsfähigkeit garantieren.
Modellprojekt für humanoide Roboter
Zugleich empfiehlt Sachsen in Kooperation mit dem Bund das Zwickauer Werk als Standort für ein Exzellenzcluster "Humanoide Robotik", womit das Projekt auch für andere Unternehmen attraktiv werden soll. Zwickau könne so zum Vorreiter für den Einsatz und die Entwicklung humanoider Roboter werden, hieß es. In der AutoUnion sollen die Roboter "angelernt" werden.
Kretschmer: Schicksal in die eigenen Hände nehmen
"Wir müssen unser Schicksal selber in die Hand nehmen. Volkswagen ist so wichtig, die Automobilindustrie ist so wichtig, dass wir uns nicht abhängig machen können von anderen", begründete Kretschmer seinen Vorstoß und warb für ein "Geben und Nehmen", für ein "faires Miteinander". Es sei bereits viel Vertrauen zerstört worden.
Produktion in Zwickau soll laut Planung 2031 auslaufen
"Volkswagen hat gesagt, wir machen euch zum Leitwerk der Elektromobilität und dann seid ihr für alle Zeit sicher. Das Gegenteil ist der Fall", erinnerte der Regierungschef an frühere Aussagen der Konzernspitze. Der Vorstand will mit Blick auf Überkapazitäten und wachsende Konkurrenz aus China weltweit zusätzlich zu den bisherigen Abbauplänen 50.000 Stellen streichen. Nach bisherigen Plänen soll die Produktion in Zwickau 2031 enden.
Kosten der Produktion müssen sinken
"Wir brauchen eine eigene Gesellschaft, die rauskommt aus diesen schwierigen tariflichen Regelungen. Wir werden nur dann erfolgreich sein, wenn die Produktionspreise genauso sind wie in Osteuropa", so Kretschmer. Man müsse alles auf den Tisch legen, was dazu beiträgt, wettbewerbsfähiger zu sein - ohne dass Löhne unbotmäßig sinken. "Natürlich wird man auch in Sachsen in Zukunft mehr verdienen als in Osteuropa." Letztlich sei das eine Sache der Tarifpartner.
"Die Zeit drängt, die Zeit läuft gegen Zwickau, sie läuft für andere Standorte in Deutschland und deswegen müssen wir jetzt an den Verhandlungstisch in den nächsten Wochen", sagte der Ministerpräsident. Er erwarte vom VW-Vorstand, dass man sich zusammensetzt und schaue, was möglich ist. Momentan erlebe er viel Misstrauen.
Kretschmer beklagt Stillstand bei Gespräch über Zukunft von VW
"Alle bleiben in ihren Schützengräben. Es gibt keine wirklichen Gespräche. Das sorgt dafür, dass Woche für Woche vergeht. Und diese Zeit läuft gegen Zwickau, läuft gegen Sachsen, läuft gegen die 8.000 Beschäftigten, die wir dort haben. Und deswegen gehen wir mit diesem Vorschlag jetzt in die Vorhand", betonte Kretschmer.
Name AutoUnion steht für erfolgreiche Automobilgeschichte
Kretschmer hatte die Idee einer neuen AutoUnion erstmals im September im Landtag formuliert. Damit spielte er auf glorreiche Zeiten der sächsischen Automobilgeschichte an. Die Auto Union AG war ein Unternehmen, das 1932 durch den Zusammenschluss der vier Marken Audi, DKW, Horch und Wanderer entstand und seinen Firmensitz in Chemnitz hatte. Den Namen AutoUnion will Kretschmer aber eher als Arbeitstitel verstehen.