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HessenGesund älter werden: Was Hessens Heilbäder bieten

23.10.2026, 13:08 Uhr
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Yoga am Gradierwerk und Vollmond-Wanderungen sind gefragt. Die Heilbäder entwickeln neue Konzepte für Auszeiten, mit denen Gäste länger gesund bleiben.

Wiesbaden (dpa/lhe) - Die Gäste werden jünger, der Fokus liegt verstärkt auf der mentalen Gesundheit. Hessens Heilbäder und Kurorte nehmen einen Wandel in der Nachfrage wahr. "Wir haben eine sehr starke Nachfrage im Bereich der psychosomatischen Angebote", sagte die Geschäftsführerin des Hessischen Heilbäderverbands, Almut Boller. Jüngere Menschen interessierten sich zunehmend für Prävention, einen bewussten Lebensstil und die Frage, wie sie möglichst lange gesund bleiben können.

"Das geht vielleicht auch ein wenig auf Corona zurück und die Erfahrung, wie wichtig es ist, etwas für sich zu tun", meinte Boller. Zudem vermutet sie vor dem Hintergrund aktueller Krisensituationen eine zunehmende Sehnsucht nach Freiheit von Belastungen und Nachrichten. Überdies gebe es ein Bewusstsein dafür, dass die Menschen immer älter werden. "Sie wollen länger gesund bleiben." Zunehmend beliebt seien spezielle Angebote wie Yoga am Gradierwerk und Vollmond-Wanderungen.

37.000 Arbeitsplätze im Gesundheitswesen

Laut Boller bieten die 30 hessischen Heilbäder und Kurorte im Gesundheitssektor rund 37.000 Menschen einen Arbeitsplatz. Hinzu kämen noch mehrere zehntausend Jobs in Tourismus und Gastronomie.

Rund 9,6 Millionen Übernachtungen seien 2024 in den Orten gezählt worden. Übernachtungsgäste und Tagesausflügler zusammengezählt kämen auf rund 38 Millionen Aufenthaltstage. Durch Tages- und Übernachtungsgäste zusammen sind Bruttoumsätze von insgesamt 2,4 Milliarden Euro entstanden.

Gestiegene Kosten fordern Orte

Eine Herausforderung für die Orte sind Boller zufolge die gestiegenen Energie-, Bau- und Personalkosten. Zumal sie die besonderen Aufgaben der Gesundheit zusätzlich zu den obligatorischen Aufgaben einer Kommune stemmen müssten. "Wir haben eine sehr starke und sehr große Infrastruktur, die finanziert werden muss", erklärte sie.

Die Heilbäder und Kurorte böten 30 Prozent mehr Erholungsfläche pro Einwohner im Vergleich zu sonstigen Gemeinden. Dazu zählten etwa Kurparks, Gradierwerke, Thermen und Kräutergärten. "Das muss gepflegt und bewirtschaftet werden."

Die Orte seien verpflichtet, einen gewissen Standard zu wahren. "Alle zehn Jahre beginnt ein neues Prädikatisierungsverfahren, in dem jedes Heilbad und jeder Kurort belegen muss, ob die Qualitätsstandards erfüllt werden. Damit gehen auch Kosten einher."

Das Land Hessen unterstützt dabei finanziell. 13 Millionen Euro beträgt der sogenannte Bäderpfennig laut Boller. 26 der 30 Mitglieder profitierten von dieser Förderung. "Es ist gut, dass wir diese Zuweisung bekommen. Das ist sehr wichtig für die Orte", sagte sie. "Wir wünschen uns aber schon etwas mehr." Der Förderbetrag sei seit 2016 gleich geblieben, während die Kosten teilweise davonliefen.

Gradierwerkleuchten in Hessen und Thüringen

"Natürlich ist das alles nicht einfach", konstatierte Boller. "Nichtsdestotrotz halten wir an unserer Qualität fest." Die Heilbäder und Kurorte wollten ihren Gästen und Bürgern das Beste für ihre Gesundheit bieten. Deshalb arbeiteten sie eng zusammen und entwickelten immer neue Konzepte für Auszeiten.

So findet nach der Premiere im vergangenen Jahr auch 2026 die Lange Nacht der Thermen statt. 13 Thermen von Bad Karlshafen im Norden bis Bad König im Süden öffnen dazu am 13. November ihre Erholungswelten am Abend länger. Im kommenden Jahr findet erstmals länderübergreifend das Gradierwerkleuchten statt. Bad Nauheim, Bad Orb, Bad Sooden-Allendorf und Bad Karlshafen in Hessen sowie Bad Salzungen und Bad Sulza in Thüringen laden dazu am 19. August 2027 von 18 bis 22 Uhr ein.

In Bad Nauheim entsteht "Erlebnisgradierwerk"

Zudem planen die Orte Investitionen und erweitern ihre Angebote. Bad Nauheim im Wetteraukreis etwa punktet unter anderem mit der Sprudelhof-Therme, dem ersten zertifizierten Heilwald in Hessen und fünf als Arzneimittel anerkannten Trinkquellen.

Aktuell werde unter anderem ein Gradierbau saniert, teilte Bürgermeister Klaus Kreß mit. Dort entstehe ein "Erlebnisgradierwerk" mit Inhalatorium und Besucherdeck. Im Sommer 2027 wird zudem zur "Kneippiade" geladen, angeboten werden etwa Vorträge, Workshops und Mitmachaktionen rund um das Heilverfahren von Sebastian Kneipp.

Kneippkur-Jubiläum in Bad Camberg

Auch in Bad Camberg (Landkreis Limburg-Weilburg) mit seinen zwei Reha-Kliniken steht dieses Heilverfahren nächstes Jahr im Fokus. Gefeiert wird das 100-jährige Jubiläum der Kneippkur in der Stadt - diese ist nach eigenen Angaben das älteste Kneippheilbad in Hessen. Das Kneipp-Gesundheitsprogramm soll weiter ausgebaut werden.

In den vergangenen Jahren wurde in der Kurstadt unter anderem in einen Barfuß- und einen Sinnes-Erlebnis-Pfad investiert. 2026 wurde zudem der neue Kurpark-Kiosk "Sonnenbad" inklusive Außenterrasse eröffnet. Nächstes Jahr soll das Freibad nach der Sanierung wieder genutzt werden können, zudem sollen zeitnah etwa der Vorplatz des Kurhauses sowie der Minigolf-Platz im Kurpark neu gestaltet werden.

Neues Kurhaus in Bad Homburg?

Das Herzstück in Bad Homburg (Hochtaunuskreis) ist der historische Kurpark mit seinen neun Heilquellen, darunter sieben Trinkquellen. Im vergangenen Jahr wurde dort der Louisenbrunnentempel wiedererrichtet - ein 14 Meter hoher Pavillon mit gläserner Kuppel. Das nach Auskunft von Kurdirektor Holger Reuter wichtigste und für die Stadtentwicklung prägendste Bauprojekt steht jedoch noch bevor: Es ist geplant, das Kurhaus neu zu gestalten, im nächsten Jahr sollen hierzu die maßgeblichen Beschlüsse fallen.

Quelle: dpa

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