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HessenLandesgartenschau: Chance oder Belastung für Städte?

15.10.2026, 04:04 Uhr
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Fulda richtete sie zweimal aus, Bad Nauheim will heute keine weitere Landesgartenschau. Wie viel so eine Veranstaltung bringt und wie viel sie fordert, da sind die Städte unterschiedlicher Ansicht.

Fulda/Gießen/Bad Nauheim/Hanau (dpa/lhe) - Die Ausrichtungsstädte der hessischen Landesgartenschau blicken positiv auf die Veranstaltung zurück. "Die damalige Entscheidung war richtig", teilte etwa die Stadt Bad Nauheim auf Anfrage mit, die 2010 Gastgeberin war. "Die Stadt und die Menschen, die hier leben, profitieren noch immer davon."

Die Landesgartenschau 2010 sei "ein Motor für die Stadtentwicklung in Bad Nauheim" gewesen. Mit Gesamtinvestitionen von etwa 20 Millionen Euro seien Projekte angestoßen worden, die bis heute wirkten, teilte die Stadt mit. Damals seien rund 520.000 Besucherinnen und Besucher gekommen. "Insgesamt ziehen wir eine positive Bilanz."

Im kommenden Jahr findet die Landesgartenschau nicht in einem einzelnen Ort statt, sondern in der Region Oberhessen. Insgesamt elf Kommunen sind an Hessens erster interkommunaler Landesgartenschau beteiligt. Schwerpunkte der Schau (22. April bis 3. Oktober 2027) werden Nidda-Bad Salzhausen, Gedern und Büdingen.

"Positive Wirkung über die eigentliche Schau hinaus"

In Gießen sieht man das ähnlich. Die Landesgartenschau 2014 habe eine "durch und durch positive Wirkung über die eigentliche Schau hinaus" gehabt, teilte die Stadt mit. "Sie hat vielmehr an verschiedenen Stellen dazu beigetragen, dass Gießens Gewässer durch enorme Aufwertungen der dauerhaften Infrastruktur stärker ins Bewusstsein der Menschen gerückt sind."

Als Beispiel nannte die Stadt den Umbau einer Parkanlage in einen beliebten Volkspark. "Aber auch die Lahn ist stark aufgewertet worden", hieß es. Eine neue Rad- und Fußgängerbrücke verbinde Stadtteile und hebe das Lahnufer heraus. Am Ufer seien beliebte neue Flächen für Aufenthalte entstanden, auch ein großer Spielplatz. "Davon profitiert Gießen bis heute."

Fulda richtete die Schau zweimal aus

Eine Stadt, die den Schritt direkt zweimal gewagt hat, ist Fulda. 1994 richtete die Stadt die allererste hessische Landesgartenschau aus. Nach den laut Stadt guten Erfahrungen damals habe man sich im Mai 2015 erneut um die Ausrichtung der Schau beworben – und den Zuschlag eigentlich für das Jahr 2022 bekommen.

Denn Darmstadt war für die Landesgartenschau 2022 vorgesehen, doch die Südhessen machten wegen Haushaltsproblemen 2017 einen Rückzieher. Fulda half schließlich aus der Patsche und verlegte auf Bitten der Landesregierung die eigentlich für 2026 geplante Veranstaltung um drei Jahre vor. Im Nachhinein sei die Verschiebung von 2022 auf 2023 gut gewesen, teilte die Stadt mit, "denn die Folgen der Corona-Pandemie hätten 2022 noch deutlich größere Auswirkungen auf die Durchführung einer solchen Großveranstaltung gehabt, als es dann 2023 der Fall war".

Eine Bundesgartenschau in Fulda?

Fulda habe dann eine "weitgehend unbeschwerte Landesgartenschau" gefeiert. 600.000 Besucherinnen und Besucher kamen damals in die Stadt. "Die Überlegungen, langfristige Stadtentwicklungsprojekte mit der Durchführung einer Landesgartenschau zu verzahnen, haben sich als erfolgreich herausgestellt", meint man hier. Neue Brücke, Fuß- und Radwege und neu gestaltete Gärten seien wichtige Investitionen in die Lebensqualität und Zukunft der Stadt gewesen. Die Landesgartenschau sei quasi der Katalysator dieser Projekte gewesen.

Und würde Fulda noch ein drittes Mal ran? "Grundsätzlich steht die Stadt Veranstaltungen wie einer Landesgartenschau sehr positiv gegenüber, allerdings muss man dort in größeren Zeiträumen rechnen: Zwischen der ersten Gartenschau in Fulda 1994 und der zweiten 2023 lagen immerhin fast 30 Jahre", teilte die Stadt mit. "Nicht ausgeschlossen ist in weiterer Zukunft auch eine Bewerbung um eine Bundesgartenschau, schließlich hatte die 2023er Landesgartenschau nach Aussage vieler Gäste durchaus schon die Dimensionen einer BuGa. Allerdings ist als hessischer Kandidat für die BuGa 2045 schon die Stadt Frankfurt im Rennen, sodass eine Bewerbung hier erst deutlich später möglich erscheint."

Konversion und Imagegewinn in Hanau

Als zweite Stadt in der Geschichte Hessens richtete Hanau im Jahr 2002 die Landesgartenschau aus und nutzt die Schau in vielerlei Hinsicht. Zum einen wurden der Park am Schloss Philippsruhe, der Schlossgarten in der Innenstadt und die Kinzigaue für die Schau umfassend aufgewertet und saniert. Ein vierter Bereich, das Stadtviertel Francois-Gärten, entstand völlig neu und gilt seither ein positives Beispiel für eine gelungene Rückgewinnung ehemals militärisch genutzter Konversionsflächen.

Auch in Hinblick auf Image und Tourismus nutzte die durch Industrie und Dienstleistungsgewerbe geprägte Geburtsstadt der Brüder Grimm die Schau. Die Übernachtungszahlen seien seit der LGS gestiegen, stellte die Landesregierung zehn Jahre später fest. Aus Anlass der LGS wurde auch das Umweltzentrum im Stadtteil Lamboy errichtet, das noch heute von der Stadt als Bildungseinrichtung genutzt wird.

Landesgartenschau mit Haushaltslage "nicht vereinbar"

Die anderen Städte sind da etwas verhaltener: In Gießen stehe diese Frage derzeit nicht auf der Agenda, hieß es. In Bad Nauheim schließt man das auch aus. "Heute wäre eine erneute Ausrichtung der Landesgartenschau nicht mehr nötig", hieß es. Zudem sei die Haushaltslage heute deutlich angespannter als vor 16 Jahren. "Die Stadt muss ihre Pflichtaufgaben und die kommunale Daseinsvorsorge verlässlich erfüllen", teilte die Pressestelle mit. "Eine Großveranstaltung dieser Art wäre mit den heutigen finanziellen Spielräumen nicht vereinbar."

Quelle: dpa

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