Hamburg & Schleswig-HolsteinHamburger Politik diskutiert über den Umgang mit Wölfen

Erneut ist ein Wolf auf Hamburger Stadtgebiet gesichtet worden. Die CDU erinnert an einen vorherigen Fall und verlangt klare Regeln für den Ernstfall. Bei den Linken sieht man es eher gelassen.
Hamburg (dpa/lno) - Nach der neuen Sichtung eines Wolfs auf Hamburger Stadtgebiet ist in der Politik die Diskussion um den Umgang mit den Wildtieren entbrannt. Während die CDU von der Umweltbehörde die Vorlage eines Plans mit klaren Handlungsabläufen für problematische Situationen fordert, sieht man bei der Linken keinen akuten Handlungsbedarf.
Am Donnerstagabend hatte die Umweltbehörde die bestätigte Sichtung eines Wolfs im Klövensteen an der westlichen Stadtgrenze zu Schleswig-Holstein gemeldet. Bürgerinnen und Bürger wurden bei einer möglichen Begegnung mit dem Tier zur Vorsicht gemahnt.
CDU will rasches Verfahren zur Entnahme von Wildtieren
Der jagdpolitische Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion, Ralf Niedmers, erinnerte an einen Fall aus dem Frühjahr: Ende März war ein Wolf aus dem Hamburger Westen bis zur Binnenalster in der Innenstadt gelaufen. Zuvor hatte er sich in eine Einkaufspassage in Altona verirrt und dort nach Behördenangaben in Panik eine Frau verletzt.
"Damals wurde versprochen, dass die Umweltbehörde zügig reagiert, Vorsorge trifft und ein praxistaugliches Wolfsmanagement auf den Weg bringt", sagte Niedmers. Bis heute liege jedoch nichts vor.
"Im Ergebnis muss in Hamburg ein Wolfsmanagement eingeführt werden, das eine sichere Entnahme von Wölfen ermöglicht, ohne zuvor ein langwieriges und bürokratisches Verfahren durchlaufen zu müssen", forderte er. Mit Entnahme ist auch die planmäßige Tötung von Wildtieren gemeint.
Linke: Der Wolf gehört eher zur Umgebung als der Gewehrlauf
"Dass der Tierschutz bei der CDU vom jagdpolitischen Sprecher gemacht wird, ist bezeichnend", sagte der Tierschutzexperte der Linksfraktion, Stephan Jersch, zum Vorstoß von Niedmers. Außerdem: "Die Entnahme von Wölfen, wie es so schön heißt, ist ja schon möglich."
Mit der Wiederverbreitung des hierzulande einst vom Menschen ausgerotteten Wolfs nehme die Flächenkonkurrenz unter Mensch und Tier natürlich zu. "Und da braucht es von der menschlichen Seite auch ein gewisses Verständnis für die Tiere, die sich natürlich auch ihren Lebensraum suchen müssen", sagte Jersch. Generell sei "ein gutes Zeichen, dass Tierarten sich wieder verbreiten, die hier lange ausgestorben waren".
Auch wenn es auch in Hamburg bereits Fälle von Nutztierrissen gegeben habe, sehe er keinen dringenden Handlungsbedarf. "Das kann man in aller Ruhe mit einem entsprechenden Management angehen." Da gelte es, beispielsweise für Schäferinnen und Schäfer Konzepte und Geld bereitzuhalten. "Der Wolf gehört zu unserer Umgebung, und da würde ich sagen, der Wolf gehört eher zu unserer Umgebung als der Gewehrlauf."
Laut Jersch soll das Wolfsmanagement Mitte November Thema im Umweltausschuss der Bürgerschaft sein. Mit der neuen Sichtung habe der Termin allerdings nichts zu tun.